Die 14-Nothelfer-Kapelle, ein ganz besonderer Ort
Es gibt diese Orte, die besonders sind; die eine Ausstrahlung und eine Aura haben; die Zeit und Raum für Ruhe und Atemholen anbieten. Und jede, die vorbeikommt, jeder, der einen Augenblick nur stehenbleibt, spürt das. Die 14-Nothelfer-Kapelle samt dem Platz davor und daneben ist so ein Ort. Es gibt wohl kaum einen Ort in Gonsenheim, der mehr Gemeinschaft, Leben und Ruhe verströmt, als dieser. Da treffen Menschen jeden Alters, jeder Herkunft zusammen, mit ganz verschiedenen Vorhaben und Bedürfnissen – und alle friedfertig und positiv.
Ein Raum des Übergangs…
Woran liegt das? Es ist ein Ort an der Grenze, er schafft um uns herum einen Raum des Übergangs und der Versöhnung zwischen Stadt und Wald, zwischen Kultur und Natur, zwischen Anspannung und Entspannung. Wenn man betrachtet, wofür diese 14 Nothelfer und Nothelferinnen stehen, in welchen Nöten sie um Hilfe angerufen wurden und zuweilen noch werden, dann blickt man mitten ins Alltagsleben der einfachen, zumeist bäuerlich-ländlich lebenden Menschen des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit: Husten und Krankheiten, Tierseuchen und Unwetter, Feuer und Kriegsgefahr, Gebärnöte und Todesängste. Manches, ja vieles davon bereitet uns auch heute noch Angst und Sorge – auch wenn nur noch wenige bei Kopfschmerzen einen Heiligen zu Hilfe rufen, der seinen der Glaubenstreue wegen abgeschlagenen Kopf unter dem Arm trägt, wie es der heilige Dionysius (St. Denis) tut. Bei Hagel und Unwetter werden wir vielleicht nicht mehr verzweifelt den heiligen Christopherus um Fürsprache bitten – aber macht uns der Klimawandel etwa weniger Sorgen? Oder die Schrecken von Krieg und Vertreibung? Dass man einen Ort sucht und markiert und gestaltet, wie es die Gonsenheimer:innen 1729 erstmals getan haben und dann hartnäckig wieder und wieder, Zerstörung und Verfall trotzend, einen Ort, an dem man in der Vielzahl der Bedrohungen von allen Seiten zusammenkommt und seine Hoffnungs-Gedanken zusammenkommen lässt und im Geiste oder auch ganz real alles versammelt, was hilft und lebendig und stark macht – ist das nicht ein guter, ein mutmachender Gedanke? Gerade auch in unserer Zeit der „Multi-Krisen“, dem zunehmenden Auseinanderdriften der Gesellschaft?
Es gibt, oft schon seit alters her, diese besonderen Orte von Sonderzeit und Sonderraum, die zugleich am Rand wie im Zentrum sind, zu denen die Menschen sich hingezogen fühlen – ob zur Wallfahrt oder zum Lauftreff, ob zum entschleunigenden Luftschöpfen oder zum geselligen Bekannte-Treffen. Die 14-Nothelfer-Kapelle war und ist ein solcher Ort –ein Ort zum ‚da sein‘.
Stephan Jolie, 20.5.2026

